Sebastian Horsley – Dandy in der Unterwelt
Okay. Stell dir ein schnelles Auto vor, wirklich schnell. Ferrari, Lamborghini oder Stop – wenn wir diesem Buch gerecht werden wollen – dann einen Maserati, Gran Turismo, rote Ledersitze, anthrazitfarbener Lack. (Ja, ich weiß, Sebastian Horsley würde bestimmt einen Rolls Royce oder Bentley vorziehen, aber mit diesen Karossen funktioniert die gleich folgende wirklich geile Metapher nicht). Du steigst ein, fährst auf die Autobahn, Gaspedal nach unten, 5, 2 Sekunden von 0-100, die 285 km/h Höchstgeschwindigkeit sind schnell erreicht. Du willst wieder runter vom Gas. Geht aber nicht. Null. Keine Chance. Gut, was soll´s. Dann eben weiter in dieser Geschwindigkeit, bleibt ja nichts anderes übrig. Das Bild habe ich nicht aus dem Kopf bekommen, das ganze Buch über und vielleicht ist es auch nicht die schlechteste Beschreibung für Sebastian Horsleys Leben.
So ein Leben muss man gelebt haben. Also ich nicht. Keinesfalls. Allein das Lesen hat mich schon so eingeschüchtert, dass mir ein Einfamilienhaus in einem 300 Seelendorf mit Gartenzwergen im Vorgarten plötzlich nicht die schlechteste Alternative erscheint, die man so in seinem Leben einschlagen kann. Allerdings wird meine Autobiographie mit 45 Jahren höchstens 30 Seiten lang sein, die von Sebastian Horsley beträgt 424 Seiten, und wie sagt man so schön: „Ausgelassen hat er nichts, wirklich, gar nichts.“ Von der ersten Seite an fühlt man sich wie ein unsichtbarer Kumpel von Sebastian und stakst dann mit ihm durch sein Leben. Man hört sich Dinge sagen wie: „Oh bitte, tue das nicht, alles aber nur nicht das“ oder „ Alter, das ist so eklig, das geht gar nicht!“, respektiert die bedingungslose Wahrheit und fragt sich aber auch, ob das wirklich wahr sein kann.
Es sieht so aus und auf der Homepage von Blumenbar (mann, solche Verlag wünscht man sich
mehr in unseren Landen) steht diese wunderbare Anekdote: Als der Verlag Sebastian Horsley mitteilte, dass »Dandy in der Unterwelt« erst im Juni 2009 erscheinen werde, antwortete dieser mit einer Zeile: »Ob ich da noch am Leben bin?«
Tja, für die gute Story kann er nichts, ist ja sein Leben, aber es so niederzuschreiben, dass man an dem Leben des Gesamtkunstwerkes Sebastian Horsley auch wirklich dranbleibt ist wirklich was und da übernehme ich doch mal glatt seine letzten Sätze für ein elegantes Ende dieses Eintrages (besser kann man es nicht formulieren):
„Für jeden kommt die Zeit, wo er erkennen muss, dass ich anbetungswürdig bin.
Die Deine ist nun gekommen.“
P.S.
http://sebastianhorsley.typepad.com/sebastian_horsley/2008/06/the-last-post-t.html
(wird jetzt meine Blog Leitphilosophie)

Du platzt doch vor Neid, dass dir der letzte Satz nicht schon selber eingefallen ist.
Total !!